LRN veranstaltete kürzlich die Diskussion „Bridging the Effectiveness Gap: Practical Lessons from the 2026 PE Report” (Die Effektivitätslücke schließen: Praktische Lehren aus dem PE-Bericht 2026), die sich mit den Ergebnissen seines 12. jährlichen Program Effectiveness Report (Bericht zur Programmeffektivität) befasste. Die Studie untersucht, wie Ethik- und Compliance-Programme weltweit funktionieren – und wo weiterhin erhebliche Effektivitätslücken bestehen.
Das Panel umfasste:
- Ty Francis, MBE, Chief Advisory Officer bei LRN
- Eric Morehead, Director of Advisory Services bei LRN
- Jen-Larie Tumminello, Governance, Risk and Compliance Executive bei TD
Auf der Grundlage globaler Umfragedaten und Erkenntnisse von Fachleuten wurde in der Diskussion untersucht, was wirkungsvolle Compliance-Programme von solchen unterscheidet, die Schwierigkeiten haben, messbare Ergebnisse vorzuweisen.
Dabei kristallisierten sich mehrere Themen heraus: unzureichende Nutzung von Analysen, anhaltende Risiken durch Dritte, Wahrnehmungsunterschiede zwischen Führungskräften und Mitarbeitern sowie zunehmender Druck, die Wirksamkeit von Programmen nachzuweisen.
Wirksamkeit von Compliance-Programmen: Über Aktivitätskennzahlen hinausgehen
Eine der deutlichsten Erkenntnisse aus dem Bericht von 2026 ist, dass viele Organisationen nach wie vor eher die Aktivität als die Effektivität messen.
Wie Ty bemerkte:
„Die Daten zeigen, dass nur 34 % Analysen zur Bewertung nutzen und 29 % Analysen zur Beurteilung der Wirksamkeit ihrer Programme einsetzen. Somit nutzt weniger als ein Drittel der Unternehmen all diese wertvollen Daten, über die sie verfügen.“
Die Abschlussquoten von Schulungen und die Bestätigung der Richtlinien sind nach wie vor gängige Benchmarks. Wirkungsvolle Programme hingegen integrieren eher mehrere Datenquellen und analysieren Trends, um die Auswirkungen auf das Verhalten zu bewerten – nicht nur die Teilnahme.
Risiken durch Dritte und Sorgfaltspflicht: Eine klare Kluft in der Reife
Die Überwachung von Drittanbietern und Lieferketten stellt für viele Unternehmen nach wie vor eine Schwachstelle dar.
Eric betonte:
„Diese Zahl, 27 % Akzeptanz, bei der Sorgfaltspflicht, ist wirklich schockierend.“
Aufgeschlüsselt nach Programmreife:
- Programme mit hoher Wirkung: 51 % Akzeptanz
- Programme mit mittlerer Wirkung: 22 %
- Programme mit geringer Wirkung: 15 %
Wie Ty bemerkte:
„Programme mit geringer Wirkung … werden zu 15 % angenommen, was dreimal weniger ist als Programme mit hoher Wirkung, die immer noch nur zu 51 % angenommen werden.“
Die Daten deuten darauf hin, dass eine strengere Sorgfaltspflicht gegenüber Dritten eng mit der Gesamtwirksamkeit des Programms verbunden ist.
Speak-Up-Kultur und Vertrauen in die Führung als messbare Indikatoren
Eine besondere Stärke des Berichts ist sein dualer Ansatz, bei dem sowohl Compliance-Experten als auch Mitarbeiter befragt wurden. Dieser Vergleich offenbarte anhaltende Wahrnehmungsunterschiede, insbesondere in Bezug auf Kultur und psychologische Sicherheit.
Jen unterschied zwischen strukturellen Kennzahlen und kultureller Realität:
„Sie können die Absolvierung von Schulungen und die Einhaltung von Richtlinien als Hygiene-Kennzahlen messen ... Die Unternehmenskultur lässt sich jedoch daran messen, ob die Mitarbeiter glauben, dass die Führungskräfte konsequent nach den Werten handeln ... ob die Menschen sich sicher fühlen, ihre Meinung zu sagen.“
Wirkungsvolle Programme zeichnen sich nicht nur durch Kontrollen aus, sondern auch durch das Vertrauen der Mitarbeiter in die Integrität der Führungskräfte und den Schutz für diejenigen, die ihre Meinung offen äußern.
Die Lücke im mittleren Management in Bezug auf Ethik und Compliance
Die Diskussion hob auch einen häufigen Schwachpunkt hervor: das mittlere Management.
„Die Botschaften, die das mittlere Management erreichen, kommen bei den Mitarbeitern nicht an. Daher sehen die Mitarbeiter Diskrepanzen zwischen den Richtlinien und der Praxis.“
Wenn Führungskräfte an vorderster Front Werte nicht konsequent vorleben, bemerken Mitarbeiter schnell die Diskrepanz. Diese Wahrnehmungslücke wirkt sich direkt auf das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit des Programms aus.
Von der Messung der Compliance zur sichtbaren Verantwortlichkeit
Die Podiumsteilnehmer kamen immer wieder auf die Bedeutung der Schließung der Lücke zwischen Daten und Maßnahmen zurück.
Das Sammeln von Erkenntnissen reicht nicht aus. Die Mitarbeiter müssen eine konsequente Umsetzung, klare Antworten auf ihre Bedenken und die Übereinstimmung der Führungskräfte mit den erklärten Werten sehen.
Die Zukunft von Ethik und Compliance: Ein Neuanfang rund um das Thema Vertrauen
Das Webinar endete mit einer umfassenderen Reflexion darüber, wohin sich die Compliance entwickelt.
„Diese Art der Verbindung von Ethik und Compliance wird nicht allein durch Technologie erreicht werden. Es wird eine Neugestaltung des Vertrauens zwischen Führungskräften und Mitarbeitern, Organisationen und Regulierungsbehörden sowie den Menschen und den Systemen sein, die sie gemeinsam aufbauen.“
Der Bericht zur Wirksamkeit des Programms 2026 unterstreicht eine klare Veränderung: Die Stakeholder geben sich nicht mehr mit Nachweisen für Aktivitäten zufrieden. Sie erwarten messbare kulturelle Auswirkungen, eine stärkere Kontrolle durch Dritte und sichtbare Rechenschaftspflicht.
Organisationen, die diese Ergebnisse nachweisen können – und nicht nur ihre Bemühungen dokumentieren –, sind diejenigen, die die Lücke in der Effektivität wirklich schließen.