Was für Verantwortliche im Bereich Ethik und Compliance derzeit oberste Priorität hat
Der Global Ethics Summit 2026 brachte erneut die globale Ethik- und Compliance-Community zusammen, um die sich wandelnden Herausforderungen zu erörtern, die die Integritätsprogramme von Unternehmen heute prägen.
Der vom 29. bis 31. März in Atlanta im Hybridformat abgehaltene Gipfel versammelte Tausende von Fachleuten aus den unterschiedlichsten Organisationen, um Erkenntnisse über Unternehmenskultur, Governance, KI-Risiken und die Zukunft der Compliance-Führung auszutauschen.
In Plenarsitzungen, Fachdiskussionen und Roundtable-Gesprächen der Führungskräfte kristallisierten sich mehrere klare Themen heraus, die Aufschluss darüber geben, in welche Richtung sich Ethik- und Compliance-Programme in Zukunft entwickeln werden.
1. Ethik und Compliance als strategische Unternehmensfunktionen
Eine der durchgängigsten Botschaften des Gipfels war, dass von Ethik- und Compliance-Teams zunehmend erwartet wird, nicht nur als Hüter der Richtlinien, sondern auch als strategische Berater des Unternehmens zu agieren.
In den Diskussionen auf der Hauptbühne wurde betont, wie wichtig es ist, Ethik- und Compliance-Programme auf folgende Bereiche abzustimmen:
- Unternehmensweites Risikomanagement
- Unternehmensstrategie
- Vorstandsführung
- ESG-Verpflichtungen
- Wie sollten Unternehmen den ethischen Einsatz generativer KI regeln?
- Welche Kontrollmechanismen sollten für die Nutzung von KI-Tools durch Mitarbeiter bestehen?
- Wie können Organisationen mit Voreingenommenheit, Transparenz und Rechenschaftspflicht umgehen?
- Stärkung der Due-Diligence-Prozesse
- Verbesserung der Schulung und Einbindung von Lieferanten
- Überwachung laufender Beziehungen zu Dritten
- Sicherstellung von Transparenz in allen globalen Geschäftsbereichen
- Management neuer technologischer Risiken
- Nachweis der Programmwirkung anhand von Daten
- Stärkung der Unternehmenskultur in globalen Organisationen
- Engere Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung und dem Vorstand
Viele Redner betonten, dass die wirksamsten E&C-Programme messbare Ergebnisse vorweisen: Sie verdeutlichen der Führungsebene, wie Unternehmenskultur, ethische Entscheidungsfindung und Compliance-Maßnahmen direkt zur Widerstandsfähigkeit der Organisation und zur langfristigen Leistungsfähigkeit beitragen.
Die Botschaft war klar: Führungskräfte im Bereich Ethik müssen zunehmend die Sprache der Unternehmensstrategie sprechen.
2. Künstliche Intelligenz ist die neue Herausforderung für das Compliance-Risiko
Das Thema KI-Governance war während des gesamten Gipfels eines der meistdiskutierten Themen.
In den Vorträgen wurde untersucht, wie Organisationen mit Fragen wie den folgenden umgehen:
Experten betonten, dass das Tempo der KI-Einführung es erforderlich macht, dass Compliance-Verantwortliche zügig klare Rahmenbedingungen, Leitlinien und Schulungen für die Mitarbeiter schaffen.
Anstatt Innovationen zu behindern, konzentrieren sich Unternehmen auf verantwortungsvolle KI-Richtlinien und Leitplanken, die Teams mehr Handlungsspielraum geben und gleichzeitig Risiken kontrollieren.
3. Die Messung der Unternehmenskultur wird zunehmend datengestützt
Ein weiteres wichtiges Thema war der zunehmende Einsatz von Daten und Analysen zur Messung der Unternehmenskultur und der Wirksamkeit von Programmen.
Führungskräfte im Bereich Ethik berichteten, wie sie Erkenntnisse aus Mitarbeiterbefragungen, Daten aus Meldungen an die Hotline, Kennzahlen zur Teilnahme an Schulungen und Verhaltensindikatoren nutzen, um einen tieferen Einblick darin zu gewinnen, ob ihre Ethikprogramme die Entscheidungsfindung beeinflussen.
Viele Teilnehmer hoben den Wandel von aktivitätsbasierten Kennzahlen (z. B. Anzahl der absolvierten Schulungen) hin zu verhaltensbasierten Indikatoren hervor, die die ethische Kultur im gesamten Unternehmen besser widerspiegeln.
4. Risiken durch Dritte stellen nach wie vor eine große Herausforderung dar
Angesichts der zunehmenden Komplexität globaler Lieferketten lag der Schwerpunkt der Vorträge stark auf dem Risikomanagement in Bezug auf Dritte und Lieferanten.
Die Referenten betonten, dass Compliance-Risiken zunehmend außerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen bestehen.
Zu den wichtigsten Diskussionsthemen gehörten:
Für viele Unternehmen besteht die Herausforderung darin, einen Ausgleich zwischen Risikominderung und den betrieblichen Realitäten globaler Partnerschaften zu finden. Führende Programme gehen dieses Problem zunehmend an, indem sie die Lieferantenüberwachung zentralisieren und Schulungen, die Nachverfolgung der Zusammenarbeit sowie die Überwachung in einer einzigen Übersicht zusammenführen. Lösungen wie Catalyst Supplier von LRN wurden entwickelt, um diesen Wandel zu unterstützen und Unternehmen dabei zu helfen, von einer punktuellen Due-Diligence-Prüfung zu einem kontinuierlichen, besser skalierbaren Risikomanagement für Dritte überzugehen.
5. Die Zusammenarbeit unter Gleichgesinnten ist wertvoller denn je
Ein einzigartiger Aspekt des Gipfeltreffens ist die Möglichkeit für Führungskräfte im Bereich Ethik, offene Einblicke mit Kollegen auszutauschen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
Im Rahmen von Roundtable-Gesprächen für Führungskräfte vor der Veranstaltung konnten die Teilnehmer bereits vor Beginn der eigentlichen Konferenz in kleineren Gruppen Ansätze vergleichen und Ideen auf Herz und Nieren prüfen.
Diese Diskussionen unter Gleichgesinnten gehören nach wie vor zu den wertvollsten Aspekten des Gipfels – sie liefern praktische Perspektiven, die in formellen Präsentationen nicht immer zu finden sind.
Das große Ganze: Ethikprogramme treten in eine neue Ära ein
In allen Vorträgen kristallisierte sich ein zentrales Thema heraus: Ethik- und Compliance-Programme entwickeln sich rasch weiter, um den neuen Erwartungen von Aufsichtsbehörden, Vorständen und Mitarbeitern gleichermaßen gerecht zu werden.
Von Führungskräften wird erwartet, dass sie:
- Risiken im Zusammenhang mit neuen Technologien bewältigen
- Die Wirkung von Programmen anhand von Daten belegen
- Die Unternehmenskultur in globalen Organisationen stärken
- Enger mit der Unternehmensleitung und dem Vorstand zusammenarbeiten
Während sich Unternehmen weiterhin mit neuen regulatorischen Rahmenbedingungen, neuen Technologien und kulturellen Erwartungen auseinandersetzen, unterstreichen die Diskussionen auf dem diesjährigen Gipfel eine zentrale Erkenntnis:
Bei soliden Ethik- und Compliance-Programmen geht es nicht mehr nur darum, Fehlverhalten zu verhindern – sie sollen Unternehmen vielmehr in die Lage versetzen, in einer sich rasch wandelnden Welt integer und selbstbewusst zu agieren.
Möchten Sie mit einem Ethik- und Compliance-Experten darüber sprechen, wie Sie diese Praktiken in Ihrem Programm umsetzen können? Nehmen Sie Kontakt mit unserem Team auf, um das Gespräch fortzusetzen.